| Entstehung des Epidemischen Brustkrebsk | ||||||||||
| Früher Kontakt zu Kuhmilch und ein erhöhtes Brustkrebsrisiko | ||||||||||
1867
von Henri Nestle in der Schweiz entwickelt.
Bei seiner Geburt in Frankfurt am Main hieß Henri Nestle noch Heinrich Nestlein.
|
Als die ersten
Nährmittelfirmen in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts um 1870
begannen künstliche Säuglingsnährmittel zu Kuhmilch, damals
Kindermehle genannt, herzustellen, gab es den Begriff ökologisches
System noch nicht.
Keiner ahnte, dass Eingriffe in solche Systeme Folgen haben können, die erst nach langer Zeit sichtbar werden. Dass die Kinder überlebten, sogar dicker und größer wurden als Brustkinder, war kein Problem, sondern wurde als Schutz gegen zehrende Krankheiten freudig begrüßt. Jahrezehnte nach Einführung der künstlichen Säuglingsernährung wurden aber einige Krankheiten immer häufiger, besonders der Brustkrebs (Bjarnason 1974, Stevens1982, Armstrong 19763 , Devesa 1978). |
|||||||||
| Rückgang des Stillens | ||||||||||
|
Schon früher war beobachtet worden, dass nicht alle Frauen gleich häufig von Brustkrebs betroffen waren. Und schon 1915 wies T.H.C. Stevenson darauf hin, dass ledige Frauen viel häufiger betroffen waren als verheiratete. Und 1926 veröffentlichte Janet Elisabeth Lane-Clapton eine erste moderne Untersuchung zu dem Problem, indem sie der sie Daten von 508 Patientinnen mit denen von 509 gesunden Frauen verglich. Sie fand heraus, dass die Patientinnen später geheiratet hatten und weniger Kinder bekommen hatten. Diese Kinder hatten sie auch noch seltener gestillt (zitiert nach Petrakis 1979 ). Und so wurde überlegt, ob die zurückgehende Stilldauer mit der Zunahme der Krankheit zusammenhängen könnte. |
||||||||||
| Die Bedeutung der Menarche | ||||||||||
| Der Gedanke lag
nahe, bis gezeigt wurde, dass die Wahrscheinlichkeit Brustkrebs zu
bekommen, wohl schon viel früher im Laufe des Lebens einer Frau
festgelegt wird. Und zwar wurde gezeigt, dass Frauen, die früh ihre
erste Periode, die Menarche bekommen, besonders gefährdet waren (MacMahon1970,
Kalache
1980.
Heute wird vermutet, dass der entscheidende Zeitpunkt noch früher liegt. Aber das Ergebnis, dass eine frühe Menarche mit dem Brustkrebsrisiko zusammenhängen könnte, beeinflusste die Brustkrebserforschung sehr und zwar begann man nach hormonellen Einflüssen auf die Brustkrebsentwicklung zu suchen. Was sich bis heute eigentlich nicht geändert hat. Aber auch nachdem klar war, dass der Rückgang des Stillens für die Mütter wohl weniger riskant war, als es auf den ersten Blick aussah, geriet nicht ins Interesse, wie sich diese massiver Veränderung der Säuglingsernährung langfristig auf die so gefütterten Kinder auswirken könnte. Zumindest in Bezug auf das Brustkrebsrisiko geriet diese Frage nicht in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Interessen. Die Forschung wurde durch eine ganz andere Beobachtung beeinflusst. Und zwar durch die Entdeckung ansteckender Brusttumore bei der Maus. |
||||||||||
| Übertragbare Mäusetumore | ||||||||||
| In den
zwanziger Jahren wurden in den Jackson Laboratorien Versuchstiere für
die Krebsforschung gezüchtet. Und das erste erfolgreiche und praktisch
wichtige System, dass man fand, betraf tatsächlich Brusttumoren, die
durch einen Milchfaktor, den man später Mouse Mamma Tumor Virus oder
MMTV nannte, von der Maus auf ihre oder andere saugende Jungtiere
übertragen wurde (Bittner JJ, Sience 84:162, 1936).
Man vermutete einen ansteckenden Krebsvirus gefunden zu haben, der auch noch durch Stillen übertragen wurde. Und obwohl man ja vorher gefürchtet hatte, dass die künstliche Säuglingsernährung Probleme mit sich bringen könnte und sie ja bei unsachgemäßer Durchführung schon immer große direkte auftretende Probleme mit sich brachte, konnte man jetzt den Gedanken nicht von der Hand weisen, dass auch das Stillen riskant sein könnte. Vielleicht nicht nur für Mäuse. |
||||||||||
| Die Suche nach dem menschlichen Brustkrebsvirus | ||||||||||
| Man begann in
vielen Geweben und in der Milch von Frauen nach einem menschlichen
Brustkrebsvirus zu suchen. Diese Suche scheiterte.
Einmal vermutlich weil man damals noch nicht wusste, dass manche Viren wie der Aidsvirus nur zellgebunden übertragen werden und man das zellgebundene Material vorher entfernte und weil man an der falschen Stelle suchte. Bei der Suche nach den Infektionsquellen einer Krankheit ist es sinnvoll sich zuerst zu informieren wo, wann und bei welchen Menschen sie auftritt. Und wenn man das getan hätte, wäre man wahrscheinlich schnell fündig geworden. Man hätte nämlich gemerkt, dass der Brustkrebs der Frau nicht in Ländern oder bei Bevölkerungsgruppen auftritt, in denen gestillt wird, sondern in denen eine andere Milch zur Grundlage der Säuglingsernährung gemacht wurde, nämlich die der Kuh. Schon früh war nämlich bemerkt worden, dass Brustkrebs typisch für Länder ist, in denen Milch zur Ernährung benutzt wird (Gaskill 1979) und es hätte nahe gelegen, die Kuhmilch auf einen Tumorvirus zu untersuchen. Ein Tumorvirus, der in der Kuhmilch vorkommt, der Bovine Leukämie Virus BLV wurde auch nachgewiesen, aber da man mit den damaligen Methoden keine Übertragung auf den Menschen nachweisen konnte, wähnte man sich sicher (Donham 1977, Burridge 1981 ). Dazu kam natürlich, dass die Milchprodukte für Säuglinge immer Hitze sterilisiert wurden und man sich dadurch auf der sicheren Seite wähnte. Das RNA Tumorviren als Provirus in einer hitzestabilen DNA Form in Milchlymphozyten enthalten sein können, war noch nicht bekannt. |
||||||||||
| Infektionen durch Säuglingsernährung | ||||||||||
| Dabei hätte
man gerade an den frühen Untersuchungen zur Übertragung von Tumorviren
lernen können, dass die Zeit nach der Geburt sozusagen eine besonders
geeignete für die Übertragung von Tumorviren ist.
Man nämlich oft versucht solche Viren zu übertragen und solange man mit erwachsenen Tieren arbeitete, laborierte man an dem Problem, dass nur wenige der infizierten Tiere erkrankten. Und deshalb musste man Hunderte von Mäusen, Hamstern, Hühnern oder anderen Versuchstieren ernähren, von denen nur wenige die gewünschten Tumoren entwickelten. Erst als man auf die Idee kam, neugeborene Tiere zu infizieren, bekam man eine hohe Ausbeute an Tumoren (Gross L. Proc Exp Biol Med 76:27-32,1951, Rubin H Virology 17:143-156,1962). Am besten funktionierte das, wenn man Viren, die aus einer anderen Art stammten benutzte. So gelang es mit einem Affenviren Tumore in Meerschweinchen und Hamstern zu erzeugen. (Eddy BE J Infect Diseases 107: 361-368, 1960; Eddy BE Proc Soc ExpBio Med 107: 191-197, 1961) Erst nachdem man das erkannt hatte, nahm die Tumorvirologie ihren Aufschwung (J.Tooze. The Molecular Biology of Tumor Viruses. Cold Spring Harbour Laboratory1973). Man hätte überlegen können, dass es vielleicht auch leicht sein könnte mit einem Rindervirus Tumoren in neugeborenen Menschen zu erzeugen. Denn beim Füttern eines Säuglings mit aus Kuhmilch hergestellten Nährmitteln sind beide Bedingungen die die Entstehung eines Tumors begünstigen erfüllt: Der Organismus befindet sich in der sensiblen Neugeborenenphase und das Nährmittel samt den enthaltenen Viren stammt von einer anderen Art. Aber das Maus Mamma Tumor System inspirierte statt dessen Untersuchungen zu den Gefahren des Stillens. Es wurde zum Beispiel erforscht, ob gestillte Töchter von Brustkrebspatientinnen ein höheres Brustkrebsrisiko als die nichtgestillten hatten. Aber hier zeigte sich kein Risiko. Und bei der Suche nach einem dem Mausvirus ähnlichen menschlichen Brustkrebs Virus kam man auch nicht weiter.
|
||||||||||
| Hinweise auf einen frühen Infektionszeitpunkt | ||||||||||
| Aus der
auffälligen Epidemiologie des Brustkrebses hätte man nämlich schon
auf einen frühen Zeitpunkt einer möglichen Infektion schließen
können.
Aber vermutlich versuchte man die epidemiologischen Daten durch die Erfolglosigkeit bei der Virussuche gar nicht mehr im Sinne eine Suche nach einer Infektionsquelle zu deuten. Statt dessen bemühte man sich hormonelle Faktoren zu erkunden, denn Risikofaktoren wie die frühe Menarche können natürlich auch in hormonellen Zusammenhängen gesehen werden. Andererseits ist eine frühe Menarche wie andere Risikofaktoren des Brustkrebses typisch für die früher häufige Überernährung der Flaschenkinder. Aber auch der Anstieg der Brustkrebshäufigkeit in Geburtsjahrgängen und die Untersuchungen an Immigrantinnen, die einen Wechsel der Brustkrebshäufigkeit erst in der im neuen Land geboren Generation zeigen, deuten auf eine gefährdete Phase zum Zeitpunkt der Geburt. Auch die geographische Verteilung der Krankheit auf der Erde lässt sich mit einer Ausbreitung der Krankheit parallel zum frühen Zugang zu Milchprodukten vereinbaren. |
||||||||||
| Brustkrebs bei Migrantinnen aus Europa | ||||||||||
| Schon eine
frühe Untersuchung die 1929 in Massachusetts durchgeführt wurde,
zeigte das Einwanderinnen aus Italien und Russland weniger Brustkrebs
hatten, als Amerikanerinnen (zitiert nach Petrakis
1979). Beide kamen aus Länder in denen Milchprodukte auch als
Nahrung dienen. Aber schon aus finanziellen Gründen, standen sie für
die künstliche Säuglingsernährung kaum zur Verfügung.
1961 konnte Haenszel, der die Brustkrebshäufigkeit bei polnischen Einwanderinnen untersucht hatte zeigen, dass nur in Gruppen, zu denen viele Frauen gehörten, die schon in Amerika geboren waren, ein substanzieller Anstieg der Brustkrebshäufigkeit zu sehen war.
|
||||||||||
| Brustkrebs bei Japanischen Immigrantinnen | ||||||||||
| In Japan
spielten aber nicht nur finanzielle Gründe für die Behaltung des
Stillens eine Rolle. Hier gehörte wie in den meisten Ostasiatischen
Ländern Tiermilch nicht zu den Nahrungsmitteln und fand, bis zur immer
noch stattfindenden Ausbreitung westlicher Kultur, auch für Säuglinge
keine Verwendung. So wundert es nicht, dass die Krankheit noch lange
selten blieb (Segi
1955) .
Japanische Einwanderer nach Hawaii und San Francisco sind in sofern eine interessante Gruppe zur Untersuchung von Veränderungen der Krebshäufigkeiten nach der Einwanderung (Smith 1956). Man konnte bei ihnen beobachten, dass sich einige Tumorerkrankungen schnell an die Raten im neuen Land anglichen. andere aber nicht und es wurde schon überlegt, ob es sich um erbliche Unterschiede handelte (Buell 1965). Dann zeigten sich in den Siebziger Jahren auf einmal Angleichungen in den Brustkrebsraten in den in Amerika geborenen Töchtern der Einwanderer nach San Franzisko (Buell1973, Dunn 1975), was auf diesen frühen Zeitraum als wichtig für die Brustkrebsentwicklung hindeutet. In Hawaii, wo die Immigration schon früher stattgefunden hatte, war dieser Wechsel nicht beobachtet worden. Da die Bevölkerung von Hawaii, abgesehen von wenigen Anglo - Amerikanern, hauptsächlich aus Polynesien, China, Japan und den Philippinen stammt, wo ursprünglich keine Milch zur Ernährung üblich war, ist es möglich, das diese gemeinsame Gewohnheit, die Einführung der Benutzung von Milchprodukten zur Säuglingsernährung verzögerte.
|
||||||||||
| Der Anstieg der Krankheit in Geburtsjahrgängen | ||||||||||
| Die oben
genannten Hinweise auf den wichtigen Zeitraum der Geburt für die
Brustkrebsentstehung erklären auch, dass man in mehreren Ländern wie
Island Großbritannien USA und Finnland herausfand, dass der
Anstieg der Brustkrebshäufigkeit mit den Geburtjahrgängen statt fand (Bjarnason
1974,
Stevens1982,
Armstrong
19763
, Devesa
1978).
Dieser Anstieg in Geburtsjahrgängen, das heißt bei Leuten die um den gleichen Zeigpunkt geboren wurden, zeigt, dass das Einfluss nehmende Ereignis eines sein sollte, dass um den ZEitpunkt ihrer Geburt stattgefunden hat. Andere Faktoren die Brustkrebs beeinflusst haben könnten, z.B. häufige Bestrahlungen zur Tuberkulosediagnostik würden weniger Variation mit dem Geburtsjahrgang zeigen, weil dann nicht nur Frauen eines Jahrgangs geröntgt worden wären. Dass der Brustkrebs aber mit den Geburtsjahrgängen ansteigt, deutet auf den Zeitpunkt der Geburt als einen wichtigen Zeitraum der Empfindlichkeit.
|
||||||||||
| Die Ausbreitung der künstlichen Säuglingsernährung und der Anstieg der Brustkrebsrate | ||||||||||
| Der
Anstieg der Brustkrebsrate startete bei den vor der Jahrhundertwende
1899/1900 geborenen Frauen.
Um diese Zeit herum begann der Wechsel der Säuglingsernährung bei der die menschliche Milch durch Mixturen von Kuhmilchprodukten ersetzt wurde (Apple1980, Anderson 1982, Gholamiaslari GH Zur Geschichte der Künstlichen Säuglingsernährung in Mitteleuropa. Dargestellt am Werdegang verschiedener Milch - und Nährmittelfirmen. Erlangen-Nürnberg 1975, Cone 1976). Auch vorher hatte man versucht menschliche durch Tiermilch zu ersetzen, aber die frühen Versuche waren nur selten von Erfolg gekrönt (Brüning H. Künstliche Säuglingsernährung. Enke Verlag, Stuttgart 1908 ). Denn obwohl in den Milch nutzenden Völkern schon früh versucht wurde, Säuglinge mit Tiermilch zu ernähren, war das wegen der Kontamination mit Bakterien und der andersartigen Zusammensetzung der Milch sehr gefährlich und erst als man lernte die Milch durch Hitze zu sterilisieren, begann man Erfolge zu erzielen. In der Schweiz begann Nestle mit der Herstellung der
Kindermehle und auch in den USA begannen einige Firmen ähnliche Aktivitäten. Zum Vertrieb ihrer Produkte wandten sich die Firmen an Kinderärzte Apple1980. Und so wundert es nicht, dass die ersten infizierten Mädchen sich später unter den Töchtern der Oberschicht fanden, die sich Kinderärzte und Kindermehle leisten konnten und die ihren Töchtern oft eine gute Ausbildung boten. So findet sich auch heute noch ein erhöhtes Risiko für finnische Lehrerinnen (Vihko 1992),gebildete Frauen in Singapur (Lee 1992) und USA (Carter 1989, Heck 1997), Forscherinnen und Ärztinnen in Schanghai (Petralia 1998), kalifornische Lehrerinnen (Bernstein 2002), Bibliothekarinnen und Lehrerinnen in Connecticut (Zheng 2002) gebildete Inderinnen (Yeole 2003), schwedische Ärztinnen (Hemminki 2004) oder bessergestellte Norwegerinnen (Robsahm 2005)
|
|
|||||||||
|
Von der Ernährung abgesehen, gab es auch andere Infektionswege, die zu einer Infektion menschlicher Säuglinge geführt haben können. So zum Beispiel Stofffetzen, die als Vorläufer unserer Schnuller in verschiedenen Flüssigkeiten wie Spülwasser, Bier, Wein oder auch Milch getaucht wurden und den Säuglingen zur Beruhigung angeboten wurden. Aus Ägypten berichtet Jehan Sadat in ihren Erinnerungen von der Gewohnheit Neugeborenen eine Mischung aus Milch und Honig in den Mund zu geben. Eine ähnlich Gewohnheit soll es auch in Persien geben.
|
||||||||||
|
In Indien findet sich auch heute noch ein Phänomen, das älteren Brustkrebsfachleuten noch unter dem Namen Clemmensen's Hook bekannt ist. Nämlich das die Brustkrebsinzidenz bis zu einem gewissen Alter ansteigt und in den darauf folgenden Jahrgängen wieder zurück geht. Nämlich in denen, in deren Geburtsjahren die künstliche Säuglingsernährung noch nicht so verbreitet war. (Yeole 2003). Auch bei den Afrikanerinnen südlich der Sahara ist der Brustkrebs bei Frauen noch nicht bei den Ältesten angekommen (Anim 1997) |
||||||||||
| Risikofaktoren | ||||||||||
| Unter den
häufig genannten Risikofaktoren für Brustkrebs finden sich
Übergewicht, Größe (Körperlange), frühe Menarche (erste Periode
eines Mädchens), hohes Einkommen, eine späte erste vollendete
Schwangerschaft, Kinderlosigkeit, und das Wohnen in der
Großstadt.
Übersichtsartikel: Kelsey 1979, Kalache 1982, Petrakis NL, Ernster VL, King MC, Breast in Cancer Epidemiology and Prevention: 855-870, Herausgeber Schottenfeld D und Fraumeni JF, 1982. |
||||||||||
| Gewicht | ||||||||||
| Der
Zusammenhang zwischen Übergewicht und Brustkrebs ist gut untersucht und
häufig beschrieben worden.
Weniger gut und viel später untersucht, ist der Zusammenhang zwischen Übergewicht und künstlicher Säuglingsernährung, der die Aufmerksamkeit der Forscher erst in den Siebziger Jahren auf sich ziehen konnte (Jelliffe 1975, Taitz 1971, Kramer 1981. Wahrscheinlich weil ein schnellwachsendes, pralles Baby lange mit Wohlgefallen gesehen und gewünscht wurde und weil das Problem des Lebens langen Übergewichts gar nicht damit in Zusammenhang gebracht wurde. Um zu verstehen wie Flaschenernährung zu Übergewicht führt, ist es gut beide Ernährungsweisen zu vergleichen: Das gestillte Kind saugt mit aller Kraft an der Brust, bis es satt ist. Für den Säugling ist das eine anstrengende Sache und wenn er genug hat, hört er auf und lernt so, dass man so lange ist, bis man satt ist. Bei der Flaschenernährung braucht sich das Kind nicht so anzustrengen. Die Mutter gibt vor, wie viel das Kind trinkt. Wenn es keinen Hunger hat, braucht sie nicht aufzuhören, sie kann das Loch im Sauger größer machen und die Falsche hochhalten. So lernt das Kind, das man weiteressen kann, wenn man gar keinen Hunger mehr hat. Und man nimmt dem Kind die Chance ein Sättigungsgefühl zu entwickeln und sein Körpergewicht selbst zu bestimmen. Natürlich braucht das nicht so laufen und heute gibt es auch viel Mütter, die auch mit der Falsche nicht überfüttern, weil ihnen das Problem bekannt ist und sie ein schlankes Baby möchten. Aber viele Brustkrebspatientinnen, die heute und früher untersucht wurden, sind noch in einer anderen Zeit aufgewachsen, als das große dicke Baby das Ziel von Müttern und Kinderärzten war. Beim Trinken an der Brust bestimmt aber der Säugling wie viel er Trinken möchte und er lernt dabei ein Sättigungsgefühl zu entwickeln. Vielleicht ein Lernprozess, der wie viele andere an eine bestimmte Zeit im Leben gebunden, und später schwer nachzuholen ist. Künstlich ernährte Säuglinge wachsen schneller als gestillte und sie sind dicker Kramer 2004. Aus Langzeitstudien weiß man heute, dass dicke Kinder die Gewohnheit zuviel zu essen, beibehalten (Tanner JM. Physical Growth. In Carmichaels Manual of Child Psychology Band I Herausgeber P.M. Mussen, Wiley NewYork, 1970. Tulldahl 1999, Bergman 2003) Wie viele Leute aus eigener Erfahrung wissen, ist zuviel zu essen eine Gewohnheit, die nur schwer, wenn überhaupt, zu ändern ist. |
||||||||||
| Körpergrösse | ||||||||||
| Weniger
Aufmerksamkeit wurde dagegen dem weit interessanteren Risikofaktor
Körperlänge gewidmet.
Denn während man sich vorstellen kann, dass man dick auch durch zuviel Essen als Erwachsene wird, kann man groß eigentlich nur durch jugendliches Wachstum werden. Denn als Erwachsener wächst man ja nicht mehr, wie schon der Name sagt. Das die Körperlänge eine messbare Rolle spielt, (DeWaard 1975,Cold S 1998, Dumitrescu RG 2005 alles Übersichtsartikel) weist deshalb auch auf frühe Faktoren, die für den Ausbruch der Krankheit wichtig sind, hin. |
Dass die Körperlänge für die Krankheit eine Rolle spielt, löste ein gewisses Unbehagen aus, denn anders als Übergewicht, kann man die Körperlänge als Erwachsene nicht mehr beeinflussen. Und man sucht ja bei epidemiologischen Untersuchungen gerne nach Risikofaktoren, denen Frau durch geeignete Maßnahmen aus dem Weg gehen kann, wie zum Beispiel dem Übergewicht. Dabei gerät der andere Aspekt, unter dem man Risikofaktoren betrachten sollte, nämlich der Hinweis, den sie auf eine Infektionsquelle geben können, leicht in den Hintergrund. | |||||||||
| Frühe Menarche | ||||||||||
| Ähnlich wie
der Trend zur Flaschenernährung begann der Trend zur führen Menarche
im Neunzehnten Jahrhundert (Tanner).
Und die frühe Menarche (erste Periode) ist ein häufig beschriebener Risikofaktor von Brustkrebspatientinnen, der in vielen Untersuchungen beschrieben wurde. So im Umkreis von Athen (Valaoras 1969), in Taiwan (Lin TM 1971), in Slovenien (Ravnihar 1971), in Boston (Salber 1969), in Shapiro 1970, in ( Henderson 1974), in Island Tulinius1978, in Burma (Thein-Hlaing 1978), in Norditalien Talamini 1985, in Tokyo (Yuasa 1970), in London (Stavraky 1974), in Polen (Staszewski 1971), in Alberta Canada (Lubin 1982),in (Byers1986), in King County im Staat Washington (McTiernan 1986). In der Beziehung ist es nur wichtig herauszufinden, wie es zu einer frühen Menarche kommt und besonders warum im neunzehnten Jahrhundert auf einmal ein Trend zu früher Menarche eingesetzt haben könnte. Und da kommt man nun wieder auf den Zusammenhang zwischen Gewicht und Menarche. Wann ein Mädchen zum ersten mal ihre Periode bekommt, ist nämlich abhängig vom erreichten Körpergewicht. Denn für die Menarche muss ein Mindestgewicht erreicht worden sein, dass übergewichtige und auch große Mädchen eher erreichen als andere, wie schon früh beobachtet wurde (Nobecutz P. Obesete et puberte. Presse Med 46: 449-452, 1938, Bruch H. Obesity in childhood. I. Physical growth and development of obese children. Am J Dis Child 58: 457-484, 1939, Quade
F, Obese children - Anthropology and Environment. Copenhagen,
Danish Science Presse, Ltd, 1955. Wolff OH. Obesity in childhood. Q J Med 24: 109-123, 1955. Forbes
GB. Lean body Mass and fat in obese children. Pediatrics 34: 308-314,
1964. Acheson
RM. Marturition of the skeleton.
In Human Development. Ed. Faulkner F. Philadelphia, PA, WB Saunders:
465-502, 1966 Frisch
RE,
Revelle R. The height and weight of girls and boys at the time of
initiation of the adolescent growth spurt in height and weight and the
relationship to menarche. Hum Biol 43: 140-159, 1971. Frisch RE. Critical weight at Menarche, initiation of the adolescent growth spurt, and control of puberty ln: Control of the Onset of Puberty. Ed Grumbach MM Grave GD, Mayer FE. New York, Wiley 403-423, 1974) Und auch heute noch gesehen wird (Dunger 2005). Und so kann man vermuten, dass sowohl Übergewicht als auch die frühe Menarche eine Spätfolge, der zu Übergewicht führenden Flaschenernährung sein können. |
||||||||||
| Reichtum | ||||||||||
| Das wohlhabende
Frauen bevorzugt an Brustkrebs erkranken, wie oft beschrieben wurde, (Valaoras
1969, Dorn
1959, Graham
S 1960 , Clemmesen
J 1965, Cutler S. J.
Young J. L. eds. . Third National Cancer Survey: Incidence Data.
National Cancer Institute Monograph 41, Department of Health, Education
and Welfare Publ. No.75-787, : National Cancer Institute
Bethesda, MD, 1975,
Hirayama
1978 , Lowe
1970, Soini1979)
ist leicht zu verstehen, wenn die Krankheit durch künstliche
Säuglingsernährung übertragen wird. Vermutlich wäre der Effekt noch größer wenn nicht das Einkommen der Frau, sondern das ihrer Eltern betrachtet worden wäre, denn er kommt vermutlich zustande, weil die künstliche Säuglingsernährung teurer ist als die Brusternährung. Deshalb war die Ernährung mit Kuhmilchprodukten früher in wohlhabenden Familien eher möglich und damit auch die damit einhergehende Gefährdung. Heute ist der Zusammenhang bei uns nicht mehr gut zu sehen, aber man kann ihn in den Entwicklungsländern noch gut beobachten (Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern. Exportinteressen gegen Muttermilch. Herausgeber Freimut Duve, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 1976) Dort gibt es sogar noch Mütter, die es für ein Statussymbol und für besonders günstig für ihr Kind erachten mit der Flaschen ernährt worden zu sein, was sich nur wenige leisten können. Eine Einstellung, die durch die Nährmittelindustrie leider immer noch gefördert wird. |
||||||||||
| Späte erste vollendete Schwangerschaft | ||||||||||
| In sehr vielen
Untersuchungen wurde gefunden dass Frauen, die erst spät oder nie ihr
erstes Kind bekommen, häufiger an Brustkrebs erkranken als
vergleichbare Mütter (Valaoras 1969,
Noch interessanter ist aber eigentlich, dass Frauen, die mit über 35 ihr erstes Kind bekommen, noch gefährdeter sind, als solche die gar keins bekommen Kelsey JL 1993, McPherson K 2000, Bernstein L 2002 . Was werden das für Frauen sein , die mit über 35 ihr erstes Kind bekommen? Vermutlich solche, die die Schwangerschaft wegen einer besonders langen Ausbildung und komplizierten Karriere nach hinten verschoben haben. Unter denen die gar keine Kinder bekommen, werden sich dagegen solche mit langer Ausbilung und interessanter Karriere befinden und außerdem auch solche die nicht wegen Ausbildung und Beruf, sondern aus anderen Gründen z.B. Krankheiten gar keine Kinder bekommen haben und insofern kein durch eine mögliche Flaschenernährung verursachtes zusätzliches Brustkrebsrisiko tragen. Die völlig kinderlose Gruppe könnte also ist also in Bezug auf ihr Brustkrebsrisiko aus zwei gemischten Gruppen zusammengesetzt sein und möglicherweise deshalb ein insgesamt niedrigeres Risiko haben. |
Diese Ergebnisse erstaunten viele Forscher, denn die, durch das Maus Mamma Tumor Virus verursachten Brusttumore von Mäusen,, werden durch Schwangerschaften gefördert. | |||||||||
| Wohnort | ||||||||||
|
In Städten
lebende Frauen haben mehr Brustkrebs als solche die auf dem Lande leben,
sogar in Ländern mit hoher Inzidenz (Hoover
R 1976, Blot
WJ 1977, DeWaard,
1978).
Die Gründe dafür kann man heute gut in den Entwicklungsländern beobachten, in denen Gewohnheiten wie die künstliche Säuglingsernährung zuerst in den Städten und später erst in ländlichen Gegenden übernommen werden. Deshalb werden auch Infektionen, die sich durch die Flaschenernährung verbreiten, erst in den Städten und später in ländlichen Regionen auftreten. |
||||||||||
| Geographie | ||||||||||
|
Im allgemeinen
erkranken in reichen Ländern mit westlicher Zivilisation und hohem
Lebensstandard viele Frauen an Brustkrebs und in armen Ländern wenige.
Aber es gibt Ausnahmen. In Japan gab es bei hohem Lebensstandard und guter Datenerhebung ein sehr niedriges Brustkrebsrisiko (Segi M, Kurihara M, Matsujama T. Cancer Mortalitiy in Japan, 1899-1962. Dep of Public Health, Tokuho Univers, School of Med, Sendai Japan). Die andere weniger bekannte Ausnahme ist liegt möglicherweise im Sudan und benachbarten Gebieten, wo es bei sehr niedrigem Lebensstandard eine hohe Brustkrebsrate geben soll (Burkitt G. Geographical Distribution of Cancer in East Africa. In: Racial and geographical factors in tumor incidence. Ed.:Shivas AA, Edinbrugh, Universitiy press: 147-151, 1967, Hickey BB Malignant Epthelial Tumours in the Sudanese Ann r Coll 24: 303-22, 1959). Auch die geographischen Unterschiede kann man unter dem Gesichtpunkt einer möglicherweise durch Kuhmilch auf Säuglinge übertragbaren Krankheit betrachten. Die niedrigste Brustkrebshäufigkeit wurde vermutlich bei Kanadischen Ureinwohnern (Eskimos) gefunden, bei denen die erste Brustkrebserkrankung erst 1968 beschrieben wurde Schaefer O 1969 , obwohl diese Bevölkerungsgruppe wegen der häufigen Tuberkulose sehr regelmäßig und nahezu vollständig überwacht und auch geröntgt wurde (Schäefer O 1969, Schaefer O 1975). I m Report der International Union against Cancer findet sich ein Verglich der Krebshäufigkeit
|
Brustkrebs ist als
Krankheit gut für vergleichende Studien in Gegenden mit ganz
unterschiedlichen medizinischen Standards geeignet. Denn man kann
die Krankheit leicht äußerlich erkennen und ihr Verlauf wird nicht so
von der Behandlung bestimmt, wie zum Beispiel insulinpflichtiger
Diabetes. Hier könnte eine seltenes Vorkommen der Krankheit in einem
Land mit wenig entwickeltem Medizinsystem auch daran liegen, das
die Diabetiker früh ohne erkannt oder gar gezählt zu werden,
versterben.
Bei Brustkrebs ist das anders und deshalb eignet sich die Krankheit besser für vergleichende Untersuchungen.. |
|||||||||
| Veränderung von Risikofaktoren, wenn man nur Patientinnen mit Brustkrebs betrachtet. | ||||||||||
| Wenn
Wissenschaftler nach Risikofaktoren für Brustkrebs suchen, vergleichen
sie oft Frauen, die Brustkrebs haben, mit solchen die keinen haben.
Aber wenn ein Wissenschaftler sich eine Maus auf Risikofaktoren für Brusttumore anschaut, benutzt er bewusst solche, die die durch Infektion mit einem Tumorvirus, den geeigneten genetischen Hintergrund oder chemische Vorbehandlung überhaupt die Möglichkeit haben, Tumore zu entwickeln. Das heißt, er benutzt zum Beispiel ein mit dem Maus Mamma Tumorvirus infiziertes Tier und untersucht dann den Einfluss von Diäten, Schwangerschaften und Hormonen. Wenn man bei Untersuchungen am Menschen auch nur Frauen betrachten würde, die überhaupt Brustkrebs bekommen können, zum Beispiel weil sie eine Brustkrebs verursachende Virusinfektion haben, würde man vielleicht auch ganz veränderte Risikofaktoren finden.
|
||||||||||
| Brustkrebs bei Tieren | ||||||||||
|
Brusttumore
kommen oft in Mäusen und Ratten vor. Ob es sich dabei aber um Krebs
handelt ist fraglich.
Die durch den Maus Mamma Tumor Virus MMTV, der sehr gut untersucht ist, ausgelösten Tumore metastasieren nicht in Lunge und Knochen und haben insofern mit dem Brustkrebs beim Menschen nicht viel gemein. In trächtigen Mäusen vergrößern sie sich dagegen, wie die Fibroadenome des Menschen. Ähnlich sieht es bei den, in der Sprawgue-Daley Ratte mit DMBA ausgelösten Tumoren aus. Ob es natürlichen Brustkrebs bei diesen Nagetieren gibt, ist schwer festzustellen. Aber da Ratten und Mäuse sich gerne an menschliche Nahrung halten, sofern man sie nicht davon abhält, ist leicht vorstellbar, dass ein Mäusesäugling sich bei Gelegenheit an verschütterter Kuhmilch versucht und sich so infiziert. Bei einem anderen oft genutzten Labortier und Haustier dem Kaninchen konnte ich aber weder in der wissenschaftlichen Literatur noch in Büchern für Tierärzte oder bei Durchsicht einiger Ratgeber für Kaninchenhalter einen Bericht über Brustkrebs finden. Bekannt ist, dass Kühe keinen Brustkrebs haben (Dallenbach). Wenn man Bücher der Buatrie (Rinder oder besser Kuherkrankungen) studiert, fällt sofort auf, wie ähnlich die Bücher denen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sind mit einer Ausnahme, nämlich Brustkrebs. Brustkrebs als Krankheit bei Kühen fehlt, weil es ihn nicht gibt. Sollte es sich bei dem epidemischen Brustkrebs um eine Viruserkrankung mit einem Kuhmilchvirus handeln, dann erstaunt das nicht, denn wie anfangs ausgeführt, versuchen die eigenen Viren eines Tieres, die schon lange mit ihm in einer Lebensgemeinschaft zusammen sind, selten schwerwiegende Krankheiten. Damit ist ehr zu rechnen, wenn es sich um einen für die Tierart neuen Virus handelt, mit dem sich noch keine für beide vorteilhafte Partnerschaft ausgebildet hat.
|
||||||||||
|
Aber es gibt nicht nur beim Menschen
Brustkrebs. Aufzuchtmilch für junge Katzen. Auch Hunde und Katzen erkranken oft an Brustkrebs und die Krankheit ist der des Menschen insofern ähnlich, als es hier auch Metastasierung in Lunge und Knochen gibt und die Tiere an ihrer Erkrankung sterben (Novosad, Casey) Wenn es sich um einen Kuhmilchvirus handelt, überrascht das nicht, denn es ist bekannt, das Haustiere den Menschen häufig als Kinderersatz dienen und so gefüttert werden, besonders wenn sie jung sind. Zwar wird öfter davor gewarnt, die
Tiere mit Milch zu füttern, aber das zeigt eigentlich nur, wie üblich
es ist. Wie man an den flankierenden Abbildungen sieht, hat sich die Industrie schon lange auf diese Bedürfnis eingestellt und sogar auf der Art angepasste Milchprodukte umgestellt.
|
Mehr zu Brustkrebs bei Tieren | |||||||||
|
|
Ein Tier, das meines Wissens als "Haustier" ziemlich neu ist, ist der Igel. In Deutschland werden kleine Igel, wenn der Winter naht, mittlerweile gerne aus dem Garten und mit ins Haus geholt, um ihnen zu helfen die kalte Jahreszeit zu überstehen. Die Menschen denken, dass einige der jungen Igel zu schwach sind, um selbständig zu überwintern und haben sich zu diesem Zwecke an vielen Orten zusammengetan und Igelschutzstation und andere gemeinnützige Vereine zu gründen, die sich dem Überleben junger Igel widmen. Um nichts falsch zu machen und die Igel möglichst artgerecht aufwachsen zu lassen, werde auch vielfältige Informationsschriften erstellt, in denen ausdrücklich vor dem Füttern der Igel mit Milch gewarnt wird, was böswillige natürlich sofort vermuten lässt, dass es wohl nicht selten vorkommt. Statt dessen soll man Würmer und Insektenlarven, Schnecken und anderes Getier verfüttern. Wenn man sich aber die oft älteren Semester anschaut, die sich gerne dem Igelschutz widmen, kann man sich schlecht vorstellen, dass sie sich mitten in der kalten Jahreszeit auf Regenwurmsuche begeben, um ihre Igel artgerecht durch den insektenarmen Winter zu bringen. Außerdem was macht man mit den ganz jungen Igeln, die noch nicht so richtig beißen können? Ich war jedenfalls nicht völlig erstaunt, als ich gleich bei meiner ersten Wanderung über die Webseiten von Igelschutzvereinen, die Abbildung eines im Vergleich zu der riesigen Babyflasche winzigen Igels fand, der daraus ein weiße Flüssigkeit saugte, die ich auf den ersten Blick für Milch gehalten hätte. Wie dem auch sei. In Kenntnis dieser Entwicklung ist man nicht überrascht Berichte über Brustkrebs bei Igeln zu finden. Interessanterweise handelte es sich dabei um afrikanische Igel, die amerikanischen Haushalten und Zoos entstammten und bereits in Gefangenschaft geboren waren (Raymond). So dass man sich gut vorstellen kann, dass sie schon früh mit künstlicher Säuglingsernährung konfrontiert wurden. Sieben von acht Tumoren waren bösartig und auch Metastasierung in die Lymphdrüsen wurde beobachtet. Interessant an Raymonds Übersicht ist, dass er erwähnt, dass auch früher schon oft Tumoren bei Igeln gefunden wurden, dass der Brustkrebs aber neu zu sein scheint. Das wundert in diesem Zusammenhang ja nicht, da die Karriere des Igels als Haustier ja auch erst vor kurzem begonnen hat. Ein anderer Bericht aus Kanada beschreibt die erfolgreiche Operation eines an Brustkrebs leidenden Igels (Wellehan), der mit einer kommerziellen Igelnahrung, und außerdem mit Äpfeln und Rosinen ernährt wurde. Die Existenz einer kommerziell hergestellten Igelnahrung kann man wohl nur so deuten, dass der Igel es mittlerweile auch in Kanada, einem Land mit sehr kalten Wintern, zum Haustier gebracht hat. |
Empfohlen wird von Pro-Igel e.V. die Hundewelpenaufzuchtsmilch ESBILAC statt der Katzenaufzuchtmilch KMR, | ||||||||
|
Aber nicht nur Igel kommen in den Genuss künstlicher Säuglingsernährung. Durchgeführt wird diese Ernährung
auch in Zoos und in anderen Tierschutzprojekten, zum Beispiel für
verwaiste Elefanten, die nicht nur so aufgezogen, sondern danach auch in
bester Absicht in die Wildnis entlassen werden sollen. Bei einer kleinen
Population, wie der von Elefanten, ein Risiko, das zur Ausrottung der
ganzen Art führen könnte. Denn was neue Viren in einer Population
anrichten können, sehen wir ja bei Aids. |
ELEFANTEN-WAISEN Liebe und Kokosnussöl von "Mama Tembo" Von Alwin Schröder, Nairobi Todgeweihte Elefanten-Waisen haben in Kenia wieder eine Zukunft. Auf einer einzigartigen Pflegestation päppelt die 68-jährige Engländerin Daphne Sheldrick die Tierbabys hoch - mit viel Körperkontakt und einer Spezialmilch. und http://www.ba-stuttgart.de/~tharich/eleart.htm |
|||||||||
|
||||||||||
| Aber nicht nur gutherzige Laien greifen zur die Flaschenmilch als Aufzuchtmittel | ||||||||||
| Auch
im Zoo Hannover gibt es - Milch nicht nur bei Muttern, wie die neue
Presse schreibt: Ein reines Flaschenkind ist das Trampeltierfohlen Juri im Zoo Hannover zwar nicht. Doch der Tierpfleger Andreas Pohl füttert rund die Hälfte des täglichen Bedarfs von vier Litern Milch dazu, um das Muttertier zu schonen. Und im Leipziger Zoo hat der kleine Löwe als ersten Milchschaden einen Katarakt, also eine Linsentrübung und damit einen frühen Milchschaden. Bedauernd erzählen die Pfleger dazu der Leipziger Volkszeitung : "Malik und auch unsere Löwin Kimbali sind typische Beispiele dafür: Sobald Milch zugetränkt wird, scheint sich das auf die Augen auszuwirken", so Jörg Junhold. Kimbali. Auch die Halbschwester von Maliks Mutter, ist an Grauem Star erkrankt und wurde vor einem Jahr von Andrea Steinmetz operiert. Sie hatte im Zoo von Lissabon ebenfalls künstliche Milch erhalten. Beides Hinweise auf die heute noch übliche Flaschenernährung der Zootiere. |
||||||||||
| Brustkrebs vor Einführung industriell hergestellter Säuglingsnährmittel | ||||||||||
|
Schon früh wurde ein verstärktes Auftreten der Krankheit bei Nonnen bemerkt. Diese frühe Beobachtung wurde in der ersten epidemiologische Studie zu Krebs, die 1844 von Rigoni-Stern veröffentlicht wurde, bestätigt. Rigoni-Stern hatte die Todesfälle in Verona zwischen 1760 und 1839 analysiert und konnte zeigen, dass Nonnen fünf mal so häufig betroffen waren wie andere Frauen. Warum? Man vermutete heute wie damals dass diese Erkrankung mit der Lebensweise der ehe- und kinderlosen Lebensweise der Nonnen zusammenhängen könnte. Aber die Nonnen hatten nicht nur eine spezielle Lebensweise sondern auch eine spezielle Herkunft. Wir würden heute denken, sicher sie werden aus besonders religiösen Familien stammen. Aber das war damals nicht der Grund. Die Aufnahme ins Kloster oder in die Freiweltlichen Damenstifte dienten der Versorgung von Töchtern, die man nicht verheiraten wollte, um die Mitgift zu sparen und um keine Erbansprüche entstehen zu lassen. Das war für reiche und herrschende Familien ein wichtiger Gesichtspunkt. Das sie deshalb gar nicht gestillt worden waren ist unwahrscheinlich. Denn das überlebte man damals selten. Man hatte zwar schon früh versucht, die Milch von Kühen und anderen Tieren zu nutzen, um den menschlichen Säugling zu nähren oder zu beruhigen. (Brüning H. Künstliche Säuglingsernährung. Enke Verlag, Stuttgart 1908) Aber diese Versuche waren selten erfolgreich und endeten für viele Säuglinge tödlich. Wie heute die Schnuller wurden früher oft Stoffstücke verwandt, mit Flüssigkeiten von Spülwasser über Bier, Wein und Milch getränkt um Säuglinge zu beruhigen und zu beschäftigen. In reichen Familien stand dabei wohl eher Milch und Honig zur Verfügung als in armen Familien, für die so ein Lebensmittel schwer zu erlangen war. Da besonders die Kuhmilch ein teures Lebensmittel war, könnte so auch das seltsame Auftreten des Brustkrebs bei den aus reichen und reichsten Familien stammenden Nonnen erklären. Es lag natürlich nahe anzunehmen,
dass der spezielle Lebensstil der Nonnen mit der Ursache der Erkrankung
zu tun hatte. Nicht jede junge Frau konnte Nonne werden. Diese Existenz, also der Eintritt in ein Kloster erforderte eine Mitgift, die von der Familie des Mädchen bezahlt wurde, wenn sie Interesse hatte, dieses zugunsten anderer Geschwister vom Erbe auszuschließen und trotzdem gut zu versorgen, aber ohne die noch höheren Kosten, die für eine standesgemäße Eheschließung aufzubringen gewesen wären. So war dieses Leben nur für die Töchter sehr reicher Familien möglich, die so dazu gebracht wurden auf ihr Erbe zu verzichten. Auch Mädchen ohne Mitgift konnten eine Tätigkeit in einem Kloster annehmen und dort arbeiten. Aber sie wurden keine Nonnen, sondern hatten als Laienschwestern einen Dienstbotenstatus. Die Nonnen hatten also nicht nur einen speziellen Lebensstil, der in Auge fiel, sondern auch eine sehr spezielle Herkunft aus reichen Familien in denen sie möglicherweise mehr Kontakt zu teueren Lebensmitteln nämlich der Milch hatten. hatten. Und wie Maria Rollinger in ihrem Buch Milch besser nicht schreibt, war Milch noch im Neunzehnten Jahrhundert ein sehr teures Lebensmittel.
|
Rigoni-Stern
DA: Fatti statistici realtivi alli malati cancerose. Gior Sevire Prop
Path Terap 2:507-517, 1842
Zitiert nach Shimkin MB. Some Historical Landmarks in Cancer Epidemiology In: Cancer Epidemiology and Prevention Herausgeber Schottenfeld D, Elsevier 1982 Auch in Ramazzini MP und Rigoni-Stern DA on Parity and Breast Cancer. Clinical impressions and statistical corroborations. Arch Intern Med 108: 639-642, 1961. und in: Scott J Bailar 3rd. Rigoni-Stern and medical statistics. A nineteenth century approach to cancer research. J Hist Med Allied Sci 24:65-75, 1969 |
|||||||||
| Die Veränderung von Risikofaktoren | ||||||||||
| Die
Brustkrebsforschung hat uns sehr viele Wissen über Risikofaktoren bei
der Brustkrebsentstehung beschert.
Ich habe versucht, dieses Wissen zu benutzen um nach eine Infektionsquelle zu finden, wenn es denn eine gibt, ähnlich wie man es bei dem Virus getan hat, der Aids verursacht. Eine Krankheit, deren auffallende Epidemiologie auch den Weg zu den Infektionsquellen deutete. Und obwohl die Epidemiologe sich veränderte, während das Virus die verschiedensten Bevölkerungsgruppen durchdrang, und die Epidemiologie in Ländern mit unterschiedlichen Gewohnheiten auch unterschiedliche Gruppen bevorzugt befiel, konnte das Konzept einer Virusinfektion diese Veränderung der Epidemiologie doch leicht erklären. So wie bei Aids können sich auch beim Brustkrebs die Risikofaktoren verändern: Während die Flaschenernährung zu Beginn eine Gewohnheit wohlhabender Schichten war, fürchten heute gerade gebildete Mütter die Nachteile der künstlichen Ernährung. Das Ideal eine dicken, großen Babys, das etwas zuzusetzen hat, ist ihnen kein Ziel mehr. Viele ahnen vielleicht, dass die großen, dicken Säuglinge, die sind, die später mit Übergewicht zu kämpfen haben und auch wenn sie die Flasche benutzen bevorzugen sie ein normal gewichtiges Kind, um ihm die späteren Gewichtsprobleme zu ersparen. Und so findet man die schon früh mit der Flasche ernährten, schnell Gewicht zulegenden Säuglinge heute ehr in den unteren, weniger gebildeten Schichten (Hitchcock 1988, Hitchcock 1989). Mit dem entsprechenden Abstand wird diese Verhaltensänderung sicher auch die Brustkrebsepidemiologie verändern. |
||||||||||