Die Brustkrebsepidemie     Forum 
 

Zur Eröffnung des Welt Aids Kongress wird heute beklagt, dass sehr viel geforscht wird, um neue Medikamente zur Behandlung zu entwickeln und wenig um Ansteckung zu verhindern.

Bei Aids fällt es auf. Bei Brustkrebs hat man den Gedanken an Vorbeugung fast aufgegeben.

Dabei haben wir zwei bedeutende Arten von Brustkrebs. Den erblichen und den epidemischen.

Wenn wir uns den epidemischen Brustkrebs ansehen und fragen, wann die Epidemie ausgebrochen ist, kommen wir für Europa auf den Beginn des letzten Jahrhunderts. Bei den Frauen und Mädchen, die nach 1870 geboren worden waren, nahm die Krankheit stark zu, während die vorhergehenden Geburtsjahrgänge noch wenig betroffen waren. Das Phänomen nannte man Clemmensen`s Hook. Und man konnte es damals nicht erklären.

Und so wurde Brustkrebs, den es in Europa schon immer gegeben hatte, zu einer häufigen, meist nach den Wechseljahren beginnenden Krankheit.

Nicht bei allen Frauen. Gebildete Frauen, Töchter reicher Eltern waren als Erste stark betroffen. In der großen Masse der Bevölkerung war die Krankheit noch selten.

Man suchte nach Ursachen für diese schreckliche Entwicklung und es fiel auf, dass viele dieser Frauen, anders als die Mehrheit der damaligen Bevölkerung, nicht stillte.

Das war an und für sich nicht verwunderlich, denn viele der gebildeteren Frauen heirateten später, sonst hätten sie ihre Ausbildung nicht beenden können und dann bekamen auch weniger oder keine Kinder. Viele Frauen in gehobenen Berufen heirateten auch gar nicht blieben kinderlos und auch sie stillten selbstverständlich nicht.

Konnte das der Grund für Brustkrebs sein?

Der Verdacht lag nahe und in der Tat würde man heute bei einem so starken Eingriff in die ökologische Situation des Säuglings mit Recht vielfältige Befürchtungen hegen und zwar für den Säugling.. Dass auch Frauen durch das eigene Nichtstillen betroffen sein könnten, überraschte. 

Aber der Verdacht war erst einmal nicht von der Hand zu weisen, denn die  erkrankten Frauen hatten insgesamt tatsächlich selten gestillt. 

Trotzdem verwirrte er, denn dass der Nichtgebrauch eines Organs zu Krebs führen sollte, war nicht leicht zu erklären.  Allerdings erinnerte die Beobachtung an eine schon viel ältere Untersuchung an Nonnen, in der man eine viel häufigere Erkrankung bei dieser ebenfalls nicht stillenden Bevölkerungsgruppe gefunden hatte.

Man begann mehr Daten über die betroffenen Frauen in vielen Ländern zu sammeln und fand eine sehr merkwürdige Eigenschaft der betroffenen Frauen, die sie typischer Weise betraf und zwar sozusagen bevor Stillen oder Nichtstillen überhaupt in Frage kam.

 

Stillen und Muttermilchernährung von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung
Menarche

Und zwar hatten Frauen, die viele Jahrzehnte später Brustkrebs bekamen, die Menarche, also die erste Monatsblutung, Jahre früher als andere Frauen.

Mit dieser überraschenden, aber damals immer wieder bestätigten Information konnte man nicht wirklich etwas anfangen.

Wenn die Frau eine frühe Menarche hatte, spielte ihre spätere Entscheidung für oder gegen Stillen keine Rolle mehr, soweit man von einer Entscheidung sprechen konnte. Denn viel bekamen ja gar keine Kinder. wieso nicht. Wieso hatten die Frauen mit früherer Menarche so ein anderes Verhalten in Bezug aufs Heiraten und Kinder bekommen und auch aufs Stillen?

Leider sah man sich die Frauen nicht an, sondern lieber ihre Hormone.

Man nahm die frühe Menarche als Tatsache und suchte in den frühen hormonellen Veränderungen nach Gründen für die Erkrankungen. Dabei ist bis heute nicht viel herausgekommen, obwohl es mit Sicherheit hormonelle Einflüsse auf Brustkrebs gibt.

Wenn man sich die Frauen als Personen angesehen hätte, oder sich einfach mal angesehen hätte, welche Frauen früh ihre Menarche erfahren, wäre man vermutlich weiter gekommen.

Die Menarche ist nämlich kein zufälliges Ereignis. Ein Mädchen braucht ein Mindestgewicht, um sie zu erreichen.

Je mehr man isst, desto früher erreicht man dieses Gewicht und wird sozusagen geschlechtsreif.

Das ist ja auch nicht verwunderlich. In der Stammesgeschichte des Menschen war Nahrung knapp und nur wenn genug vorhanden war, konnte man sich fortpflanzen. Bei Nahrungsmangel war man später soweit und bei Hungerzuständen wie sie in Kriegszeiten oder unter  anderen schwierigen Umständen vorkommen, setzt die Periode aus. Sie ist gewichtsabhängig und bei Menschen mit großer Nahrungsaufnahme setzt die erste Periode, die Menarche,   früher ein.

Die Frauen mit großer Nahrungsaufnahme erreichen die Menarche also früh. Warum sollten diese Frauen, die schon als Kinder viel gegessen haben, Brustkrebs bekommen.

Entstehung des Epidemischen Brustkrebs
Phasengebundenes Lernen des Essverhaltens Das ist eine wichtige Frage und sie berührt eines der zentralen Probleme unserer Gesellschaft, das Übergewicht, das sehr heute sehr viele Menschen, ob mit Brustkrebs oder ohne, sehr stark beschäftigt und von vielen nur schwer oder gar nicht in den Griff zu bekommen ist.

Wie kommt das?

Wie wir heute wissen ist das Lernen of an Phasen der Aufnahmefähigkeit gebunden. Sehr bekannt ist, dass man Sprachen als Kind sehr leicht lernt.

Mit zunehmendem Alter wird das immer schwerer und nur selten und mit viel Mühe lernt man als Erwachsener noch akzentfrei und grammatisch richtig eine neue Sprache sprechen und verstehen.

Was beim Sprechen allgemein bekannt ist, gilt auch für das Erlernen anderer Fähigkeiten.

In Bezug auf das Essen machte das Ehepaar Jelliffe schon früh auf den Zusammenhang zwischen Flaschen- und Überernährung aufmerksam.

Die Jelliffes beobachteten in erster Linie die verheerenden Auswirkungen der Flaschenernährung in armen Ländern. Dort sind die finanziellen und hygienischen Möglichkeiten der Mütter oft so knapp sind, dass flaschenernährte Säuglinge Infektionen und zu wenig zu essen bekommen.

Aber es fiel ihnen auch auf, dass in den reichen Ländern etwas weniger schlimmes, aber langfristig gesehen auch sehr problematisches geschieht. Die Säuglinge lernen, zuviel zu essen.

Die angegebenen "richtigen" Mengen auf den Packungen sind oft sehr hoch. Ob dass so ist, weil die  Firmen gerne viel Pulver verkaufen wollen oder weil der Traum der Mütter früher oft ein möglichst schnellwachsendes, "gut" genährtes Baby war, ist schwer zu sagen.

Man muss vermuten, dass die Menschen, die in der Vergangenheit immer von Nahrungsmangel bedroht gewesen waren, wahrscheinlich einen unbewusst, immer noch vorhandenen Traum verwirklichten wollten, viel zu essen.

Und das Gute und Beste, wer möchte das nicht für seine Kinder. Oft halten die Mütter die Gewichtszunahme auch für ein Zeichen guten Gedeihen. Jedenfalls beobachteten die Jellifes und bald auch andere Kinderärzte, dass die Flaschenkinder schneller Gewicht zulegten und wuchsen.

Während das Brustkind, nicht gezwungen werden kann, mehr zu essen als es möchte, denn nicht die Mutter, sondern das Kind entscheidet, wann es genug hat, bestimmt bei den Flaschenernährung die Mutter, wie viel sie ihrem Kind geben will.

Das Kind kann sich durch Abwenden und Spucken wehren. Aber solange die Mutter die Flasche gibt, ist sie in einer mächtigen Position. Sie kann die Flasche ziemlich steil halten, so dass das Kind nicht saugen, sondern nur noch schlucken muss.

Oft hat sie eine bestimmte, vom Kinderarzt oder auf der Nährmittelpackung angegebene Menge zubereitet und will die Reste nicht wegschmeißen.

Auf jeden Fall ist es für den Säugling wesentlich schwieriger geworden zu lernen, wann er satt ist, und mit dem Essen aufhören kann.

Er lernt im Gegenteil, auch ohne Hunger weiter zu essen und wie man das an den weitgehend erfolglosen Kampf vieler Erwachsener gegen das ernährungsbedingte Übergewicht sehen kann, ist es kaum möglich diesen Lernerfolg später zu korrigieren.

Man kann sagen, dass die Einführung der künstlichen Säuglingsernährung mit der Flasche, die Opfer zu lebenslänglich Essgestörten gemacht hat und nur wenige Betroffene in der Lage sind, diese Störung zu überwinden.  

 

 

  Dabei zeigt sich diese Störung nicht nur in einer Richtung. Besonders seit der Erfolg frühen Lernens sich in informierten Kreisen herumgesprochen hat, gibt es Kinder, die schon in frühen Jahren weder Brust- noch Flaschenmilch bekommen und kaum etwas anderes als Wasser trinken dürfen, weil ihre Mütter panische Angst vor Übergewicht haben.

Das Erlernen eines Sättigungsgefühls, das sich bei der Brusternährung von selbst entwickelt, kann so beeinflusst werden, dass das Kind aus Angst, die Liebe der Nächsten zu verlieren, das Essen m Grunde ablehnt.

Viele Mütter, die die Wirkung früher Lernprozesse auf die spätere Gewichtskontrolle ahnen oder kennen, versuchen schon  in die Essgewohnheiten des Kindes einzugreifen und so gibt es heute auch viel schlanke Flaschenkinder.

Die heutigen Brustkrebs Betroffenen sind allerdings meist noch aus der Zeit, in der das "gut" genährte Flaschenkind, das Ziel war.

Diese Kinder "gut" genährten Flaschenkinder erreichen die Menarche früher als Flaschenkinder. Nicht nur weil sie als Säuglinge viel Flaschenmilch bekommen haben, sondern weil sie auch gelernt haben, weiter zu essen, wenn sie satt sind, oder das Sättigungsgefühl gar nicht mehr spüren.

Man kann also sagen, die Frauen mit der frühen Menarche sind die überernährten Flaschenkinder der frühen Phase der künstlichen Säuglingsernährung.

 
Warum waren unter diesen Frauen so viele, die nicht stillten?    Forum 
  Obwohl das Merkmal, das für die spätere Brustkrebserkrankung der Frauen wichtig was, die frühe Menarche und andere Damit zusammenhängende Eigenschaften waren, blieb doch die Tatsache, das von den Frauen mit früher Menarche und späterem Brustkrebs viele nicht gestillt hatten.

Wieso?

Gründe, die oben schon angesprochen wurden, waren andere Eigenschaften, die für diese Frauen zutrafen.

Auch sie hingen mit der künstlichen Säuglingsernährung und speziell mit ihrer Vermarktung zusammen.

Als Henri Nestle, einer der ersten Männer, die ein erfolgreiches Kindermehl entwickelten, hatte er wohl, inspiriert durch den frühen Tod seiner Schwester, eine Nahrung im Auge die in solchen Notfällen, in denen man bislang nur auf Ammen zurückgreifen konnte, eine einfachere Ernährung der Kinder im Auge, deren Mutter aus verschiedenen Gründen ausfiel. Auch ist das mit Kindermehl ernährte Kind anfänglich nicht gerade ein Neugeborenes, sondern ein sitzendes Kind, das schon ein zwei Jährchen auf dem Buckel hat.

Aber früh wurden wohl die Chancen gesehen, die diese Produkte boten. Und zwar nicht für Notfälle.

Wie Rima D. Apple in ihrer Arbeit:

 
  Nur unter Aufsicht eines Arztes zu benutzen.

Käufliche Säuglingsnahrung zwischen 1870 und 1940.

Rima D. Apple To be used only under the direction of a physician. Commercial infant feeding and medical practice 1870-1940
  deutlich beschrieb. Wurde die Vermarktung dieser Produkte über die Kinderärzte betrieben, da die ganze Angelegenheit äußerst störanfällig und gefährlich war und die so ernährten Säuglinge ständige medizinische Betreuung brauchten.

Ein wenig ist das ja noch heute so. Denn immer noch haben künstlich ernährte Säuglinge mehr Krankenhausaufenthalte und auch weniger Aufwand erfordernde Krankheiten als gestillte Kinder und die natürliche Stillzeit von mehreren Jahren wird nur noch in seltenen Fällen erreicht.

Ein anderer wenig beachteter Effekt der Vermarktung über Kinderärzte war aber auch, dass von der Flaschenernährung als erste die Kinder reicher Leute betroffen waren. Denn nicht nur die teuren Kindermehle, auch den häufigen Gang zum Kinderarzt konnten sich nur wenige wohlhabende Mütter für ihre Kinder leisten. Und so verbreitete sich die Krankheit zuerst unter den Kindern reicher Eltern, die ihren Töchter außer den Kindermehlen auch eine teure Ausbildung zukommen lassen konnten.

Deshalb erkrankten so viel gebildete Frauen, die nach langer Ausbildung erst spät oder gar nicht heirateten.

Wenn sie, später als andere, doch noch den Schritt in die Ehe taten, bekamen sie oft keine oder nur wenige Kinder, die wenn auch oft noch kürzer stillten als andere Frauen. Vielleicht um bald wieder in den Beruf gehen zu können. Vielleicht weil sie von ihrer Mutter die künstliche Säuglingsernährung und die damit verbundene Möglichkeit das Kind einem Kindermädchen zu überlassen gelernt hatten.

Und so fand man viel nicht stillende Frauen unter denen mit früher Menarche.

 
Weitere Eigenschaften von Brustkrebspatientinnen, die auf die Flaschenernährung zurückgeführt werden können.
  Durch viel essen bekommt man nicht nur früh die erste Periode, man wird auch dick.

Dass Brustkrebspatientinnen oft zu Übergewicht neigen, fiel schon früh auf und passt gewissermaßen ins heutige Konzept des gesunden Lebens.

Deshalb wurde dieses wissenschaftliche Ergebnis mit einer gewissen Begeisterung aufgenommen. Denn es bot auf den ersten Blick eine Handlungsmöglichkeit: Abnehmen.

 
Körperlänge    
 

Aber man fand nicht nur Übergewicht, von dem manche immer noch annehmen, man könnte es irgendwie loswerden. Man fand eine weitere Eigenschaft, die mit weniger Begeisterung aufgenommen wurde.

Die Frauen mit Brustkrebs waren auch größer als gesunde Frauen.

Die Körperlänge hängt aber vom Essen in der Kindheit ab. Kinder und Jugendliche, die viel essen wachsen in die Höhe.

Wenn sie noch mehr essen, werden sie dick. Und das ist typisch für Flaschenkinder, obwohl man auch mit der Flasche zu schlanken kleinen Kindern kommen kann, wie man heute sieht. 

Früher war das aber nicht das Ziel.

Denn der Zusammenhang zwischen früher Überernährung, falsch gelerntem Essverhalten, mehr Körperlange und späteren Gewichtsproblemen wurde nicht gesehen.

Vermutlich weil man gegen die einmal erreichte Körperlänge nichts mehr machen kann und dieses Ergebnis bei der Suche nach vermeidbaren Risikofaktoren zu einer gewissen Frustration führt, wurde ihm wenig Beachtung geschenkt.

Deshalb wurde dieses wichtige Ergebnis von deWaard und seiner Arbeitsgruppe, dass wie die frühe Menarche auf frühe Einflüsse hinweist, nicht gerne gesehen.

Es bietet keinen Ansatzpunkt für therapeutische Ansätze. Gegen die einmal erreichte Körperlänge lässt sich nichts mehr machen. Deshalb wurde dieser nach der frühen Menarche zweite deutliche Hinweis auf eine frühe Überernährung nicht gerne beachtet.

 
         
         
         
         
         
         
         
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